|
|
|

|
|
Gustav Cella
(geb. 12. 1. 1801, gest. 22. 3. 1891)

Bildnis
des Generals Cella, 1886,
gemalt von seinem Enkel Leo Samberger
Gustav Cella war
das dritte Kind aus der Ehe von Johann Jakob mit Johannette
Sophie von Hert. Bereits im Alter von 12 Jahren kam er an die Offiziersschule
nach München,
das sog. Kadettencorps[1].
Nur eine Minderheit der Offiziere in Bayern verfügte über
diese solide Ausbildung mit einer umfassenden (militärisch
ausgerichteten) Allgemeinbildung.
Sein Werdegang bei der Bayerischen
Armee
kann u.a. anhand des
"Regierungs-Blatt für das Königreich Bayern"
oder des "Regierungs- und Intelligenz-Blattes für das Königreich Baiern"
nachverfolgt werden. Das Militär spielte im 19. Jh. eine ungleich stärkere
Rolle im Königreich Bayern, als man sich das heute vorstellen kann[2]. Auch
dessen Vertreter, vor allem wenn es sich um die oberen Ränge handelt, waren
deshalb immer wieder im Fokus der Regierungsblätter, aber auch der Zeitungen
für ein Massenpublikum. So finden sich heute in den digitalisierten Ausgaben
der alten Zeitungen Dutzende von Einträgen über den Generalmajor Cella.
Seine Söhne Christian Gustav und Adolf waren ebenfalls bei
der Armee.
Gustav Cella war mit 24 Jahren als Unterleutnant
beim Infanterieregiment
in Würzburg,
nach dessen Verlegung später in Landau. Als Oberstleutnant
war er auch beim 10. Infanterieregiment in Ingolstadt. Auf wiederholtes
Ansuchen des damaligen Kriegsministers v. Manz ließ er sich
dazu bewegen, als Referent der Infanterie ins Kriegsministerium einzutreten (ab 31.3.1855), er war zeitweise sogar im Gespräch
als Kriegsminister! Nach Aussagen seines Sohnes Adolf war er aber "glücklich"
1859 wieder in den Truppendienst einzutreten und zwar als Oberst und Kommandant des 13. Infanterieregiments
in Bayreuth. Vor seiner Pensionierung befehligte er die
8. Infanteriebrigade in Speyer als Generalmajor. Sowohl Bayreuth
als auch Speyer gehörten zum "General-Commando Würzburg".
Welche
Rolle Cella bei der Schlacht gegen die Preußen in Roßdorf/Rhön
im Juli 1866
gespielt hat,
lässt sich u.a. im Münchener
Boten
nachlesen. Siehe auch: Das Gefecht
am Nebelberg
und Augenzeugenberichte
dazu.
Sein
Sohn Christian Gustav war ihn im Deutschen Krieg unterstellt
als "Ordonnanz-Offizier". Vgl. dazu diese
Aufstellung.
Nachdem er bei der Beförderung
zum Generalleutnant übergangen wurde, suchte er 1869 um seine Pension nach,
die ihm auch gewährt wurde. Während er höchste Auszeichnungen
für seine Verdienste im Krieg gegen Preußen im Jahr 1866
erhielt, blieb ihm so die Teilnahme am Deutsch-Französischen
Krieg 1870/71 erspart.
Gustav Cella, der nach Angaben seines
Sohnes sowohl die englische, als auch die französische und
spanische Sprache beherrschte, beschäftigte sich viel mit Philosophie, Literatur
und Kunst. Er war bis zu seinem Tod Mitglied im Pfälzischen
Kunstverein. In seinen letzten Jahren wohnte er in München
(Amalienstr.
72, 1. Stock).
Er starb dort im Alter von 90 Jahren.
[1] Siehe auch die Website des Schulmuseums Lohr am Main über
das Kadettencorps
und die Auswahl
der "Zöglinge"
zu Gustavs Zeiten.
[2] So
"war
die königlich-bayerische Armee bis zu ihrer Auflösung
im Jahr 1919 die wichtigste staatliche Einrichtung des Landes und
beanspruchte bereits im Frieden den größten Einzelposten des Staatshaushalts. Die größte Baustelle im Bayern des 19. Jahrhunderts waren eben nicht die Schlösser König Ludwigs II., sondern es war die Festung Ingolstadt. In keiner anderen Einrichtung erfuhren die Bayern ihren Staat so intensiv wie in der Armee, die damit auch zum wichtigsten Integrationsfaktor des neuen Staates wurde." (Dieter Storz: Die bayerische Armee 1866)
Hier einige Zeitungsfunde:
|
|
![]()

Sein Sohn Christian Gustav Cella [1] (geb. 28.04.1832 in Landau) musste wegen der ständig wechselnden Standorte seines Vaters oft die Schule wechseln. Er wird im Jahresbericht verschiedener Lateinschulen aufgeführt. So z.B. in Regensburg, Schweinfurt, Würzburg. Im Frühjahr/Sommer 1851 machte er in Schweinfurt sein "Absolutorium" (Abitur).
In
München studierte
er ab Herbst 1851 u.a. Jura
und erhielt ein Stipendium der Prinz-Karl-Stiftung. Das Studium
der Jurisprudenz hat er abgeschlossen. Später
war auch er beim Militär.
In der Garnison München, beim Infanterie-Leibregiment,
wird er 1859 zum Unteroffizier befördert und nahm sowohl am Krieg 1866 als auch 1870/71 teil. Als
"Premierleutnant" war er im Krieg gegen die Preußen
1866 bei Gefechten in Roßdorf, Uettingen und um die Feste
Marienberg (Würzburg) beteiligt.
1870 wird er zum "Hauptmann 2. Klasse" befördert.
Im deutsch/französischen Krieg ist seine Teilnahme an der Belagerung der Zitadelle von Bitsch vom
16. September 1870 bis 25. Januar 1871 nachgewiesen. Danach
war er beim 8. Infanterieregiment in Metz stationiert. Dort
wurde 1872 auch sein erster Sohn Josef Gustav geboren. Zuletzt
diente er als Hauptmann und Kompagniechef im 3. Jägerbataillon Eichstätt.
Er schied am 15.01.1875
aus
der Bayerischen Armee aus. Zu der Zeit lebte die Familie in München
und Christian Gustav plagte bereits
eine Taubheit, die die Verständigung mit ihm immer schwerer machte. 1880
zog die Familie nach Speyer. Christian
Gustav, der nach Aufzeichnungen seiner Tochter eifrig Klavier
spielte, lebte in Speyer zurückgezogen, war aber bis zu
seinem Tod (02.11.1917) am Zeitgeschehen interessiert.
Er ist auf dem neuen Friedhof in Speyer begraben.
[1]
Lt. Geburtsurkunde Christian Gustav Cella. Innerhalb der Familie wurde er aber nur mit Gustav angesprochen bzw. angeschrieben. Auch beim Militär verwendete er den ersten Vornamen nicht, was die Recherche über seine Laufbahn schwierig machte. Hier aber zur besseren Unterscheidung von seinem Vater werden beide Vornamen verwendet.
|

Frieda Cella (geb. 27.11.1873, gest. 24.04.1941)
soll erwähnt
werden, weil sie einiges zur Familiengeschichte beigetragen hat und in den Tagebüchern des Kardinals
Michael Faulhaber vermerkt ist. Faulhaber
war zu dieser Zeit Bischof in Speyer. Frieda lebte in Speyer
und ist auch dort
begraben, sie war katholisch, ebenso wie ihre Geschwister und ihre Eltern.
Wie die Verbindung zum Bistum zustande kam, kann nicht
abschließend geklärt werden. Bekannt ist lediglich,
dass ihr Bruder Josef Gustav als Priester im Jesuitenorden gewirkt
hat. Bei Faulhaber war Frieda Cella mehrmals zu Besuch und beklagte sich über
ihren Vater: "Sie
will auf und davon ...".
Vgl. auch die anderen fünf
Einträge.
Interessantes
Detail in der Familiengeschichte: Während Sophie von Hert
ihren Sohn Gustav vor der Religion seiner Frau (= katholisch)
warnt -- siehe Brief
vom 31. Januar 1830 --
sucht ihre Urenkelin Frieda offensichtlich die Nähe zu
dieser Religion. Friedas Bruder Georg heiratet wiederum eine
Protestantin und aus dieser Ehe geht ein Kind hervor, das später
evangelische Theologie studiert (meine Mutter Renate). Sophie
von Hert hätte es gefallen ...